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Deutschlands Binnenschiffe:
Die verborgenen Transport-Giganten

Die meisten Menschen sehen im Alltag immer mal wieder LKWs, die Güter von A nach B transportieren. Es gibt im Handelsverkehr aber noch deutlich größere Transport Riesen, die meist leise durch das Hinterland gleiten.

Kein anderer Verkehrsträger transportiert mit so wenig Energie so viele Güter wie die Binnenschifffahrt.

Die Binnenschifffahrt bezeichnet die überwiegend berufliche Schifffahrt zum Transport von Handelsgütern oder Fahrgästen. Die Definition von “Binnen” bedeutet so viel wie “im Inland”. Sie beschreibt jegliche Schifffahrt die nicht auf offenen Gewässern wie dem Meer stattfindet.

Die Binnenschifffahrt in Zahlen und Fakten

  • Deutschland hat 7300 km Binnenwasserstraßen, 75 % Flüsse und 25 % Kanäle.
  • 56 von 74 deutschen Großstadtregionen haben einen Wasserstraßenanschluss.
  • Die passenden Häfen nennen sich “Binnenhäfen”.
  • In Duisburg findet sich der größte Binnenhafen.
  • Rund 187 Millionen Tonnen Güter wurden 2020 in Deutschland von Binnenschiffen befördert.
  • Die meisten Schiffsführer sind zwischen 25 und 55 Jahre alt.

Binnenschifffahrt zwischen Rhein und Ruhr

Die Binnenschifffahrt für den Handel ist im Gebiet Rhein und Ruhr besonders bedeutsam. Große Teile der Ruhr und des Rheins sind als Wasserstraße geeignet.

Basierend auf den Notwendigkeiten des Steinkohlebergbaus im 19. und 20. Jahrhundert hat sich im Ruhrgebiet eines der dichtesten Kanal- und Hafensysteme Europas entwickelt.

Europas größter Binnenhafen?

Europas größter Binnenhafen befindet sich in Duisburg. Der größte Kanalhafen Deutschlands befindet sich in Dortmund.

Viele Menschen hätten an dieser Stelle an Hamburg gedacht. Das ist allerdings einer der größten Seehäfen.

Für die Binnenschifffahrt in der Region stehen weitere Häfen zur Verfügung, die den Zugang zu den wichtigsten Binnenschifffahrtsstraßen mit direkter Verbindung zur Nordsee ermöglichen:

  • Der Wesel-Datteln-Kanal
  • Der Datteln-Hamm-Kanal
  • Der Rhein-Herne-Kanal
  • Der Dortmund-Ems-Kanal

Binnenschiffe Typen

Auf den Kanälen, Flüssen und Seen finden sich die unterschiedlichsten Schiffstypen. Je nachdem welche Güter transportiert werden müssen wählen Transportunternehmen ein anderes Modell:

  • Motorgüterschiffe – Sie ersetzen mit einer Tragfähigkeit von 3.000 t bis zu 150 Lkw.
  • Tankmotorschiffe – Gut geeignet für den Transport von Ölprodukten, Säuren und Laugen.
  • (Tank-)Schubleichter – Schiebbare Boote mit sehr wenig Tiefgang, die Ladung durch flaches Gewässer transportieren können. Sie haben keinen Eigenantrieb.
  • (Tank-)Schleppkähne – Im Gegensatz zum Schubleichter werden diese geschleppt. Auch sie haben keinen Eigenantrieb.
  • Schubboote – Sie schieben Schubleichter Modelle und können an verschiedene Boote zum Schieben “angedockt” werden.
  • Bunkerboote – Sie werden auch Tankboote genannt und versorgen andere Schiffe mit Brennstoff oder Schmieröl. Quasi eine mobile Tankstelle auf dem Wasser.
Ausnahme Personentransport: Für den Fahrgasttransport kommen natürlich ganz andere Schiffe zum Einsatz. Denn hier muss es Sitzplätze statt Ladeflächen geben. Meistens werden dafür Fähren und Motorboote verwendet.

Die Binnenschifffahrtsordnung – Straßenschilder der Schiffsfahrer

Haben Sie schonmal solche Schilder an einem Fluss oder Kanal gesehen?

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Das sind Binnenschifffahrtszeichen: Sie geben Schiffern und allen anderen, die sich auf und im Wasser bewegen, klare Angaben über Regeln und Verbote. Verstöße können Geld kosten.

Während die letzte Reihe selbsterklärend ist, übersetzt BeyondSurfing an dieser Stelle Reihe 1 – 3:

Reihe 1
(von links nach rechts)
Reihe 2
(von links nach rechts)
Reihe 3
(von links nach rechts)
Besondere Vorsicht Einmündende Wasserstraße Sog und Wellenschlag vermeiden
Anhalten Kreuzende Wasserstraßen Fahrzeuge mit Maschinenantrieb verboten
Schifffahrtsbeschränkung Begrenzte lichte Höhe Sportfahrzeuge verboten
Schallzeichen geben Begrenzte Wassertiefe Ankern und Festmachen am Ufer verboten
Höchstgeschwindigkeit (in km/h) Begrenzte Breite von Durchfahrt oder Fahrwasser Verbot, am Ufer festzumachen
Funkgerät auf angezeigtem Kanal in Betrieb nehmen Entfernung (in m) zum Tafelzeichen einhalten Stillliege Verbot innerhalb der angegebenen Breite

Der Alltag eines Binnenschiffers


Binnenschiffer erwarten an Bord viele Aufgaben. Man weiß nie genau, wie der Tag ablaufen wird. Erfahrene Binnenschiffer kennen einen Fluss ganz genau. Sie wissen, bei welchem Kilometer beispielsweise das Wahrzeichen einer Stadt am Ufer steht. Die besonders markanten Punkte werden schon während der Ausbildung gelehrt.

Hans-Günter Portmann
(Schulleiter des Schiffer-Berufskollegs Rhein)


Kein normaler Alltag:

Binnenschiffer haben eher ungewöhnliche Arbeitszeiten. Schichtarbeit von beispielsweise 14 Tagen wechseln sich mit 7 Tagen Freizeit ab.

Tag und Nacht an Bord:

Geschlafen und gegessen wird dort, wo auch gearbeitet wird. Nicht selten werden an Bord oft mehrere Tage am Stück übernachtet.

Was sind die Aufgabenfelder?

Täglich stehen Reinigungs- und Wartungsarbeiten (wie Rost entfernen oder Farbe aufbringen) an. Binnenschiffer müssen beim An- und Ablegen die Taue befestigen und lösen. Auch müssen die Maschinen startbereit gemacht werden und beim Beladen wird mit angepackt.

Bei Kanalfahrten wird das Schiff an Schleusen regelmäßig fest- und losgemacht. Eine simple “Non-Stop-Fahrt” bis zum Zielort ist nicht erlaubt.

Mitfahren auf Binnenschiffen

Sie möchten einmal auf der Binnenschifffahrt zwischen Rhein und Ruhr teilnehmen? Menschen, die sich für Binnenschiffe interessieren, können auf einem echten Frachtschiff mitfahren.

Es gibt Webseiten, die Binnenschiffer mit Privatpersonen verbinden und die Möglichkeit einer “Mitfahrgelegenheit” eröffnen. Mehr interessante Informationen zum hier: Mitfahren auf Binnenschiffen.

Für den heimischen Teich oder See kann auch ein RC Binnenschiff – also ein ferngesteuertes Modellboot – erworben werden. So kann Kapitän gespielt werden, ohne die 3-jährige Ausbildung zu durchlaufen.

Für Fans gibt es sogar richtige Modellschiff Binnenhäfen. Wie das aussehen kann?

RC Schiffsmodelle - 1:50 Treffen SMC Ibbenbüren Aasee

Die zehn häufigsten Fragen und Antworten zum Thema Binnenschifffahrt

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Was sind Binnenschiffe?

Binnenschiffe sind alle Schiffe, die sich auf nicht offenen Gewässern bewegen. Das bedeutet auf Flüssen, Seen und Kanälen und nicht auf dem Meer. Sie werden zum Transport von Gütern eingesetzt oder im Personenverkehr; wie auf touristischen Fähren.

Wo fahren Binnenschiffe?

Binnenschiffe fahren in geschützten Gewässern wie Kanälen, Flüssen oder Seen. Ein Schiff auf dem Meer ist kein Binnenschiff. Binnen bedeutet so viel wie “im Inland”.

Wie schnell fahren Binnenschiffe?

Während flussabwärts je nach Schiffstyp und Fracht Geschwindigkeiten von 20 km/h möglich sind, fährt ein voll beladenes Schiff gegen die Strömung selten mehr als 10 km/h. Damit sind die Frachtriesen eher gemütlich unterwegs, es gibt aber auch keinen Stau und weniger Energieverbrauch als beim LKW Transport.

Was transportieren Binnenschiffe?

Am häufigsten werden in Deutschland Kohle und Erze, Agrargüter, Erdöl und Erdölprodukte transportiert. Außerdem noch Sand und Kies, Stahl und Schrott sowie Container mit Fracht oder Gefahrengütern.

Personenfähren auf Binnengewässern transportieren hingegen Menschen, die von A nach B wollen oder eine Rundfahrt genießen.

Wie lang sind Binnenschiffe?

In Deutschland können Binnenschiffe zwischen 38 und 135 Meter lang sein. Je nachdem, was sie transportieren sollen.

Wie viele Binnenschiffe gibt es ca. in Deutschland?

Momentan besteht die deutsche Binnenflotte aus 3000 Schiffen. Es gibt Motorgüterschiffe, Schubboote und Schubleichter in der Trockenschifffahrt. Außerdem sogenannte Tankschiffe für trockene, flüssige und gasförmige Güter.

Wie wird man Binnenschiffer?

Um Binnenschiffer zu werden, muss eine 3-jährige Ausbildung durchlaufen werden. Es handelt sich um die best bezahlteste duale Ausbildung, die es momentan in Deutschland gibt.

Sie hat einen großen Praxisanteil für den Binnenschiff-Führerschein, aber auch Theorieteile in denen Kartenlesen und andere wichtige Techniken erlernt werden. Die Voraussetzung ist mindestens ein Hauptschulabschluss und ein Nachweis über körperliche Fitness.

Leidenschaftliche Kapitäne planen irgendwann im Leben eigene Binnenschiffe zu kaufen. Oft bekommen sie aber von der Reederei, für die sie arbeiten, ein festes Modell gestellt.

Wie viel Geld verdient ein Binnenschiffer?

Zu Beginn ist eine Binnenschiffer Ausbildung mit Gehalt nötig. Hier werden Auszubildende nach Tarif bezahlt: Sie verdienen im ersten Bildungsjahr 962 €, im zweiten 1070 € und im dritten Lehrjahr 1179 €. Das endgültige Binnenschiffer Gehalt richtet sich je nach Region und Reederei oder Werft.

Wo schlafen Binnenschiffer?

Viele Binnenschiffer leben tatsächlich auf ihren Booten. Sie sind dauerhaft unterwegs. Dementsprechend gibt es auf dem Binnenschiff richtige kleine Wohnungen, fließendes Wasser und natürlich Strom. Manche Schiffe haben auch kleine Gästezimmer – der Komfort ist hier aber nicht vergleichbar mit einem Kreuzfahrtschiff.

Wie grüßen sich Binnenschiffer?

Handelsschiffe grüßen sich nur dann, wenn sie zur eigenen Reederei oder Linie gehören. Natürlich auch, wenn ein Freundschaftsverhältnis der Kapitäne besteht. Dabei gibt es 3 Regeln:

  1. Das überholende Schiff grüßt das überholte.
  2. Das fahrende Schiff grüßt das am Anker liegende.
  3. Das auf der Ausreise befindliche grüßt das heimkehrende: Ein gerade erst gestartetes Schiff ehrt damit die lange Reise des Heimkehrers.

Fazit Binnenschifffahrt

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Die Binnenschifffahrt ist ein wichtiger Bestandteil des weltweiten Handelssystems. Deutschland hat viele hochwertige Binnengewässer, die den Transport schwerer und großer Güter ermöglichen. Eine energieeffiziente Alternative zum Straßentransport und ein leidenschaftliches Berufsfeld für viele Binnenschiffsführer.

Quellen und weitere Informationen:

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Lara

Lara lebt in Griechenland und könnte sich einen Tag ohne Meer vor der Haustür kaum noch vorstellen. Wenn Sie nicht gerade für BeyondSurfing schreibt, verbringt Sie ihre Freizeit am liebsten am Strand oder mit Schnorchelausrüstung im Wasser.

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